E. Claes: Aus dem Krieg

Cover
Titel
Aus dem Kriege. Namur 1914


Autor(en)
Claes, Ernest
Erschienen
Heiligenstadt 2014: F.W. Cordier
Anzahl Seiten
176 S.
Preis
Richard Albrecht, Bonn

Die Erstausgabe dieses Buch erschien 1919 unter dem Titel Namen (dem flämischen Namen der wallonischen Stadt Namur). 95 Jahre also hat es gedauert bis zur ersten deutschsprachigen Ausgabe. Sie erschien im Sommer 2014.

Ernest Claes (1885−1968), der Autor dieses flämischen Antikriegsbuchs, war belgischer Soldat im ersten «großen Weltfest des Todes» (Thomas Mann). Claes gilt in Belgien vor allem wegen seines (auch zwei Mal verfilmten) schelmenhaften Heimatromans De Witte (1920; deutsche Ausgabe: Flachskopf, 1985) als «regionalliterarisch» wichtiger Schriftsteller «der optimistischen, lebenslustigen flämischen Erzählkunst.» (Lut Missine, Die niederländischsprachige Literatur; in: Johannes Koll [Hg.], Belgien. Geschichte. Politik. Kultur. Wirtschaft. Münster, Aschendorf, 2007, 148ff). Er ist auch im deutsch(sprachig)en Raum kein namenloser Autor.

Claesʼ Erzählung ist das Kernstück des hier angezeigten Buchs. Das nach dem Motto aller guten Dinge gleich drei Intros erhält: ein präsidiales Grußwort des Vorsitzenden der flämischen Ernst-Claes-Gesellschaft, einen literaturhistorischen Aufsatz von Rudolf van de Perre («Der kleine Krieges des Ernst Claes») und vom Übersetzer Johannes Herzog knappe Hinweise über die Geschichte seiner Übersetzung (der hinten zwei Seiten nützliche Anmerkungen zum Text angehängt sind); sinnvoll auch dies: die im Original verwandten deutschen Wörter und Textpassagen sind durch Kursivsatz optisch hervorgehoben; besonders angesprochen haben mich die 28 schwarz-weiß-Zeichnungen des Illustrators Coen de Frenne.

Der Inhalt von Claesʼ elf Kapitel umfassenden, im August 1914 beginnenden und mit einem Transport nach Deutschland endenden, Dokumentarerzählung ist von der Flämischen Repräsentanz in Berlin für uns Heutige bündig zusammengefaßt worden (Kultur aus Flandern in Deutschland, 5/2014: 32): «Der flämische Soldat und spätere Schriftsteller Ernest Claes wird während des deutschen Durchmarsches durch Belgien bei den Kämpfen um Namur schwer verletzt und gerät wenig später in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nüchtern und gleichzeitig eindrucksvoll schildert er seine Kriegserlebnisse [...]. In dieser Mischung aus Kriegstagebuch und Roman finden sich etliche für deutsche Leser hochinteressanten Passagen. Der Germanistikstudent Claes muß erleben, wie sein bisheriges idealistisches Deutschlandbild durch die Soldatenstiefel des übermächtigen Nachbarn in Grund und Boden gestampft wird. Er ist schockiert über die aus einer Massenpsychose gespeiste Brutalität der Invasionsarmee gegenüber der belgischen Zivilbevölkerung. Die unter Historikern in letzter Zeit lebhaft diskutierten deutschen Kriegsgräuel im Sommer 1914 finden hier einen literarischen Widerhall.»

Zitierweise:
Richard Albrecht: Rezension zu: Ernest Claes, Aus dem Kriege. Namur 1914, dt. Johannes Herzog, Heiligenstadt, F.W. Cordier, 2014. Zuerst erschienen in: Schweizerische Zeitschrift für Religions und Kulturgeschichte, Vol. 109, 2015, S. 414.

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