J. Gotthelf: "Geld ist und bleibt Geld..."

Cover
Titel
"Geld ist und bleibt Geld...". Fünf Geschichte rund um Geld und Geiz, Gier und Gewalt, aber auch um Glauben, Geduld und Gemeinsin.


Autor(en)
Gotthelf, Jeremias
Herausgeber
Reber, Alfred; Theodor, Mahlmann
Erschienen
Anzahl Seiten
304 S.
Preis
von
Patricia Zihlmann-Märki

In einem schön illustrierten Buch macht Alfred Reber, wie schon in Elsi, die seltsame Magd. Und andere Geschichten aus dem Übergangsjahr 1798 (Bern 2007), fünf moralische Erzählungen von Jeremias Gotthelf als gut lesbare und reich kommentierte Texte zugänglich. Sie kreisen um die bei Gotthelf häufig wiederkehrende Frage des «richtigen», mit christlichen Grundsätzen im Einklang stehenden Umgangs mit Geld.

Zunächst handelt Reber die Editionsgrundsätze ab und gibt Informationen zur Entstehung der Erzählungen sowie zum Verhältnis von Dichter- und Pfarrerrolle. Die diesem Kapitel folgenden Erzählungen legen offen, welch unterschiedlichen Aspekten des Themas «Geld» Gotthelf Bedeutung zumisst. In Die Wege Gottes und der Menschen Gedanken stehen die Unbarmherzigkeit gegenüber Armen und die Geldgier im Zentrum. Die Erzählung Segen und Unsegen warnt vor Verschwendung und Hochmut, der Glück und Wohlstand als nicht von Gott gegeben betrachtet, zum finanziellen Ruin und zur gesellschaftlichen Ächtung führt. In den beiden Erbvetter-Geschichten geht es nicht nur ums Erben und Vererben, sondern immer auch um die Anforderungen an eine christliche Lebensführung. So schliesst die zweite Erzählung über den geizigen und gemeinen Harzer Hans: «Und das Geld, wo kam es hin, und die Erben, wer waren sie, und was hinterließ der arme Harzer Hans […] mehr, als einen schlechten Namen der Welt und eine schlechte Seele dem – [ Teufel ]?» (S. 186) Eine Aufstiegsgeschichte schildert schliesslich Der Besenbinder von Rychiswyl, dessen Hauptfigur dank Tüchtigkeit, Demut und Gottvertrauen zu Wohlstand kommt.

Reber versieht die Texte mit als Marginalien verlaufenden Stellenkommentaren, die dialektale und unverständliche Passagen ebenso erläutern wie unklare Anspielungen auf zeithistorische Gegebenheiten. Den einzelnen Texten folgen jeweils Auszüge aus weiteren Schriften und Predigten Gotthelfs, die zwar für den Werkkontext aufschlussreich sind – besonders gelungen ist zum Beispiel die Quellenauswahl zur Erzählung Die Wege Gottes und der Menschen Gedanken –, zum Teil aber auch etwas zufällig ausgewählt wurden. Die den Erzählungen folgenden Erläuterungen versammeln knapp grundlegende

Informationen zur Bevölkerungs-, Wirtschafts- und politischen Geschichte, Ansätze zur Interpretation literarischer Motive und Auszüge aus weiteren Werken Gotthelfs.

Die Textwiedergabe folgt den Erstdrucken; alle Korrekturen des Herausgebers sind vermerkt, sodass der Text der Erstausgaben mithilfe der Randglossen rekonstruierbar ist. Dennoch erscheinen sie – hier ist insbesondere an die Korrektur der Kommasetzung nach heutigen Regeln zu denken – aus editorischer Sicht zum Teil fragwürdig, zumindest überflüssig. Insgesamt ist die Textauswahl gelungen; freilich hätte die Erzählung Die Erbbase (1849) einen weiteren interessanten Aspekt des Themas «Erben» geliefert: Zuse heiratet ihren viel jüngeren Knecht, um ihn statt ihrer Verwandten erblich begünstigen zu können.

Die Stellenkommentare, die viel umfangreicher sind als in den Sämtlichen Werken (Erlenbach-Zürich 1911 – 1977), sichern das Textverständnis in hohem Mass. Mit den vielen in den Marginalien aufgenommenen Bibelstellen, auf die Gotthelf anspielt, löst Reber sein in der Einleitung formuliertes Ziel ein: «Man soll merken, wie die Bibel fast wie der Basso continuo in alter Musik mitklingt.» (S. 10) Es bleibt der Leserschaft überlassen, zu urteilen, ob diese Praxis auch bei Redewendungen plausibel ist, die biblischen Ursprungs sind, aber schon längst zum allgemeinen Sprachgut zähl(t)en. Einige Kommentare erhellen die Anspielungen im Text nur bedingt; so müsste zum Beispiel erwähnt werden, dass der Verweis Gotthelfs auf die Abschaffung von Zehnten und Bodenzinsen (S. 175) wohl den zeitgenössischen Diskussionen geschuldet ist, war dies doch ein Anliegen der Berner Radikalen in den 1840er - Jahren.

Während Randglossen als Erläuterungshilfen lesefreundlich sind, erschwert die räumliche Aufteilung von Erläuterungen und Materialien die Orientierung. Zum Teil sind die Erläuterungen weiterführend, etwa wenn eine mögliche Vorlage für die Erzählung Segen und Unsegen verortet wird oder wenn Pestalozzis Schriften im Abschnitt «Armut und Arbeit» ausgewertet werden. Freilich vermisst die Rezensentin gerade hier einen Verweis auf Gotthelfs Wirken in der Armenerziehungsanstalt Trachselwald und auf seine sozialkritische Schrift Die Armennoth. Bei anderen Themen hingegen begnügt sich Reber mit der Aufzählung weiterer Beispiele aus Texten Gotthelfs, so im Kapitel zum Erben. Für ein nicht-wissenschaftliches Publikum, an das sich der Band in erster Linie richtet, bietet Reber reichhaltige Kontextinformationen.

Insgesamt hat Reber einen vielseitigen Band zusammengestellt, der den facettenreichen Dichter Gotthelf den Leserinnen und Lesern nahebringt, einen Dichter, der neben moralisierenden auch köstliche Geschichten erzählen kann. Ein schöner Bonus sind die prächtigen Illustrationen Albert Ankers, Emil Zbindens und Ludwig Richters, zu denen sich im Anhang auch biographische Notizen finden.

Zitierweise:
Patricia Zihlmann-Märki: Rezension zu: Gotthelf, Jeremias: «Geld ist und bleibt Geld … ». Fünf Geschichten rund um Geld und Geiz, Gier und Gewalt, aber auch um Glauben, Geduld und Gemeinsinn. Die Wege Gottes und der Menschen Gedanken. Hans Joggeli der Erbvetter. Harzer Hans, auch ein Erbvetter. Segen und Unsegen. Der Besenbinder von Rychiswyl. Nach den Erstdrucken neu herausgegeben und erläutert von Alfred Reber, unter Mitwirkung von Theodor Mahlmann. Bern: Berchtold Haller Verlag 2011. Zuerst erschienen in: Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 76 Nr. 2, 2014, S. 66-67.

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Zuerst veröffentlicht in

Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 76 Nr. 2, 2014, S. 66-67.

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