A. Gasser: Kleine Kirchengeschichten

Cover
Titel
Kleine Kirchengeschichten.


Autor(en)
Gasser, Albert
Erschienen
Anzahl Seiten
199 S.
Preis
von
Urs Altermatt

Albert Gasser, von 1969 bis 1993 Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Hochschule Chur, anschliessend bis 2003 Gemeindepfarrer in Chur, legt mit diesem Band kirchengeschichtliche Essays vor, die Themen aus dem grossen Zeitraum vom Konzil von Konstanz im 15. Jahrhundert über das Jesuitenverbot in der Schweiz im 19. Jahrhundert bis zu den Päpsten des 19. und 20. Jahrhunderts zur Darstellung bringen. Der Autor kommt auch auf das Schisma von Ecône, die Pius-Bruderschaft und deren Gründer, den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre, zu sprechen. Zu Beginn der 1970er Jahre erhofften sich der Freiburger Bischof François Charrière und insbesondere der Walliser Bischof Nestor Adam von der traditionellen Weltanschauung der Lefebvristen positive Impulse in der aufgewühlten Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, denn ihre Priesterseminarien begannen sich zu leeren. Allerdings überwarf sich Lefebvre später mit den westschweizerischen Bischöfen wegen seiner Eigenmächtigkeiten und seiner antikonziliären Kritik. Das Trauerspiel mit Ecône begann, so dass es zum Bruch mit der römischen Kirche und dem Papst kam. «Mittlerweile ist Ecône längst aus den Schlagzeilen geraten», schreibt Gasser 2008 und fährt später fort: «Eigentlich wäre Benedikt XVI. ein Papst nach ihrem Geschmack.» Er konnte noch nicht wissen, wie prophetisch seine Worte wurden. Im Frühjahr 2009 überschlugen sich die Schlagzeilen.

Das Buch von Albert Gasser umfasst Essays, die der Schweizer Kirchenhistoriker mit persönlichem Kolorit versieht, und er scheut sich nicht, biografische Notizen einzustreuen. Wer Albert Gasser kennt, wird diese gerne lesen. Auf das Schlusskapitel über die Literatur hätte er ohne Verlust verzichten können, denn dort wird Jean-Rudolf von Salis’ Motta-Biografie erwähnt, die von der neueren Forschung inzwischen überholt wurde. Albert Gassers Essays sind die Früchte eines langen Gelehrtenlebens, die in einem äusserst lesbaren Stil und für ein breites Publikum verfasst sind.

Zitierweise:
Urs Altermatt: Rezension zu: Albert Gasser, Kleine Kirchengeschichten. Essays, Zürich, Theologischer Verlag Zürich, 2008. Zuerst erschienen in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte, Vol. 104, 2010, S. 502-503

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