A. Boesch: Katholisch Bern von 1799 bis 1999

Titel
Katholisch Bern von 1799 bis 1999. Ein Zwischenhalt


Herausgeber
Boesch, Angelika; Wäger, Franz; van Wijnkoop Lüthi, Marc
Anzahl Seiten
Preis
ISBN
Robert Barth, Stadt- und Universitätsbibliothek

1798 wurde in Bern erstmals wieder seit der Reformation die Messe gelesen. Im folgenden Jahr wurden katholische Gottesdienste sogar im Chor des Münsters gefeiert und mit Jean-Baptist Girard nahm ein Priester seine Arbeit auf. Damit darf man 1799 als Gründungsjahr der modernen römisch-katholischen Gemeinde in Bern betrachten.

Der vorliegende, reich illustrierte Band hält Rückschau. Das erste Drittel ist weitgehend chronologisch aufgebaut, wobei jeweils die amtierenden leitenden Priester im Zentrum stehen. Der Rest ist thematisch gegliedert: In einzelnen Kapiteln werden unter anderem Strukturfragen, Diakonie, Jugendarbeit, Ökumene, die katholische Presse sowie die französische und die italienische Gemeinde beschrieben. Am Schluss steht ein «kleiner Kirchenführer», der die rund 20 kirchlichen Bauten der römischkatholischen Kirche in Bern und Umgebung vorstellt. Mit Ausnahme der Dreifaltigkeits-Kirche sind alle im 20. Jahrhundert entstanden. Allein dieses eindrückliche Kirchenbauprogramm ist Zeugnis einer umfassenden Aufbauarbeit des katholischen Bevölkerungsteils von Bern, der in 200 Jahren von 7 auf 27 Prozent stieg (Bern ist damit aber unter den grossen Städten der Schweiz immer noch die «protestantischste»). Diese Entwicklung verlief nicht ohne schwere Rückschläge. Fast traumatisch wirkte der Verlust der ersten römisch-katholischen Kirche Peter und Paul nach. Der Grosse Rat überliess 1856 das Kornhaus neben dem Rathaus der katholischen Gemeinde zum Bau einer eigenen Kirche – ein erstaunlich prominenter Platz! Acht Jahre später wurde die Kirche geweiht und nur elf Jahre danach zogen die romtreuen Katholiken aus: Peter und Paul wurde zur Kathedrale der christkatholischen Gemeinde. Man war nicht bereit, die Kirche in Simultanbenutzung mit den romkritischen Altkatholiken zu teilen. Fast ein Vierteljahrhundert mussten die Katholiken darauf warten, bis sie 1898 mit der Dreifaltigkeits-Kirche wieder über ein eigenes würdiges Haus verfügten.

Das Werk mit dem bezeichnenden Untertitel «ein Zwischenhalt» hat auch etwas den Charakter einer Rechenschaftsablegung einer besonderen Diasporagemeinde. Denn der Aufbau einer Gemeinde in der Bundesstadt war mit besonderem Prestige verbunden. Davon zeugten die grosse materielle Hilfe aus dem In- und Ausland beim Bau der ersten Kirchen und die Wahl von zwei in Bern wirkenden Priestern zu Bischöfen: Jakob Stammler 1906 zum Bischof von Basel und Lugano sowie Dekan Hansjörg Vogel 1994 zum Bischof von Basel.

Zitierweise:
Robert Barth: Rezension zu: Boesch, Angelika et al. (Red.): Katholisch Bern von 1799 bis 1999. Ein Zwischenhalt, Bern: Römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde Bern Stadt und Umgebung, Buchhandlung
Voirol (Vertrieb), 1999, 161 S., ill. Zuerst erschienen in: Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 62, Nr. 3, Bern 2000, S. 116f.

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Zuerst veröffentlicht in

Berner Zeitschrift für Geschichte, Jg. 62, Nr. 3, Bern 2000, S. 116f.

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